Unter gläubigen und nichtgläubigen Juden entbrannte kürzlich ein Streit über die zehn Gebote. Die Zweifler fragten die Juden, weshalb diese Gebote denn so weit hinten in der Tora stünden und nicht am Anfang, wenn sie doch das Wichtigste von allem seien.
Eine alte Rabbinerin antwortete mit folgender Geschichte:
«Einst kam ein weiser, starker Mann in ein fernes Land. Er sah, wie die Menschen in Armut lebten, und wollte ihnen helfen. ‹Lasst mich euer König sein›, sprach er zu ihnen, ‹dann werde ich euer Land neu ordnen, und es wird euch gutgehen.›
Da sagten die Leute zu ihm: ‹Hast du uns etwa schon irgendetwas Gutes getan, dass du über uns herrschen willst?›
So baute der Mann zuerst einen Brunnen, hob einen Graben aus, um den Sumpf trocken zu legen, und legte einen Obstgarten an. Dann trat er wieder vor alle hin und bot nochmals an, ihr König zu sein. Und nun sagten sie ja und krönten ihn zu ihrem neuen König.
Genauso befreite Gott zuerst die Israeliten aus der ägyptischen Sklaverei, gab ihnen in der Wüste zu essen und bewahrte sie vor den Überfällen der Feinde. Erst danach sagte er zu ihnen: ‹Ich will euer Gott sein, hier sind meine Gebote, haltet sie.›»



